Bildnerische Praxis stellt einen zentralen Erfahrungs- und Erkenntnisraum ästhetischer Bildung dar, in dem Wahrnehmung, Vorstellung und Gestaltung in einem prozesshaften Zusammenhang stehen. Sie eröffnet Lernenden die Möglichkeit, individuelle Ausdrucksformen zu entwickeln, materiale und technische Verfahren zu erproben sowie eigene Bildideen im Spannungsfeld von Intention, Material und Kontext zu realisieren. Damit ist sie sowohl als produkt- als auch als prozessorientiertes Geschehen zu verstehen, das wesentlich von Offenheit, Experiment und Reflexion geprägt ist.
Die Frage nach der Bewertung und Benotung ästhetischer Leistungen stellt sich im Kunstunterricht in besonderer Weise. Während Bewertungspraktiken im schulischen Kontext als selbstverständlich gelten, geraten sie im Feld ästhetischer Praxis in ein Spannungsverhältnis zu Offenheit, Individualität und Prozesshaftigkeit künstlerischen Handelns. Daraus ergibt sich die Notwendigkeit, Bewertungsformen zu entwickeln, die den spezifischen Bedingungen des Faches gerecht werden und zugleich den institutionellen Anforderungen des Schulsystems entsprechen. [hier geht´s weiter]