Räume spielen in der Inszenierten Vermittlung eine wichtige Rolle. Die Ausformung eines Raumes fungiert hier als eigenes Medium der Veranschaulichung. Inhalte, die vermittelt werden sollen, schlagen sich in räumlichen Arrangements nieder, die nicht nur betrachtet, sondern aktiv erfahren und bespielt werden können. Innerhalb dieses Geschehens entfalten sich bildhafte Prozesse, bei denen Raumkonzeption, spielerische Strukturen und die agierenden Personen ineinandergreifen und eine schlüssige Gesamtkomposition bilden. Indem der Raum atmosphärisch aufgeladen und in enger Beziehung zu den thematischen Inhalten gestaltet wird, lassen sich feine, sonst schwer zugängliche Qualitäten sinnlich erfahrbar machen.

Die bewusste und zielgerichtete Gestaltung von Räumen eröffnet die Möglichkeit, auf das Verhalten und Erleben der darin agierenden Personen einzuwirken. Entsprechend werden räumliche Situationen vor allem dort gezielt inszeniert, wo sie als ergänzendes Mittel genutzt werden, um Kontexte zu schärfen, zu verdichten und mit Deutungsebenen anzureichern.
Im Unterschied zu klassischen Bühnenformen wie Drama oder Komödie kann sich eine Vermittlungsdramaturgie dabei nicht auf eine bereits festgelegte literarische Szenerie stützen. Stattdessen beginnt sie notwendigerweise mit einer konzeptuellen Setzung im zunächst unbestimmten Raum. Dieser ist bewusst weit gefasst zu denken – gewissermaßen als offenes Feld oder leere Struktur. Gerade diese Ausgangsoffenheit ermöglicht es, Ideen unbeeinträchtigt zu entwickeln und der inszenierten Vermittlung Schritt für Schritt einen eigenen Erfahrungsraum zu geben.

Für Lehrende ergibt sich daraus, dass sie zu Beginn konzeptioneller Prozesse nicht unreflektiert auf scheinbar gegebene, institutionell geprägte Raumsituationen zurückgreifen sollten. Stattdessen eröffnet ein anfängliches Offenhalten des Ortes – verstanden als bewusste Leerstelle – die Chance, sich von vorstrukturierten Rahmenbedingungen zu lösen. Vorgefundene Räume und ihre bestehenden Ordnungen dürfen die Entwicklung von Ideen nicht vorschnell determinieren.
Ein solcher Ausgangspunkt ermöglicht es vielmehr, räumliche Konstellationen erst im Verlauf des Prozesses zu schärfen und schrittweise auszubilden. Ort und Raum legitimieren sich dabei nicht primär über ihre physische Gegebenheit oder vorhandene Infrastruktur, sondern über ihre inhaltliche Kohärenz und innere Plausibilität. Sie entstehen in der Wahrnehmung und Auseinandersetzung der handelnden Subjekte.
Räume wirken folglich nicht nur aufgrund ihrer materiellen Beschaffenheit, ihrer Geschichte oder ihrer funktionalen Zuschreibungen strukturierend, sondern werden zu zentralen Mitteln der Inszenierung. Dies geschieht insbesondere über die Erzeugung von Atmosphären und die Verdichtung situativer Kontexte. Raum erschöpft sich daher nicht in architektonischen Parametern oder Ausstattungsfragen, sondern konstituiert sich wesentlich im Vollzug des Erlebens. Durch die Erfahrung transformiert sich der konkret lokalisierte Ort in eine veränderte Wahrnehmungssituation.

