ERFAHRUNGSVERANKERTE REZEPTION

Eine Kunstbegegnung auf den von Kindern und Jugendlichen selbst gemachten Erfahrungen aufzubauen, ist das zentrale Anliegen der von mir entwickelten Methode der erfahrungsverankerten Rezeption. Indem vor der Rezeption eine bildnerische Praxis stattfindet, können Ideen und Vorstellungen selbständig und individuell entwickelt und in Bilder übersetzt werden. Bei der erfahrungsverankerten Vermittlung basiert die Rezeption auf einer Schnittmenge zwischen eigenen Handlungen im bildnerischen oder darstellenden Prozess und zentralen Aspekten des Werks. Solche Referenzpunkte zwischen der Produktion und der Rezeption können im Material, im Thema, in der Gattung, im bildnerischen Verfahren oder in einer künstlerischen Strategie ausfindig gemacht werden. Sie dienen dazu, Einsichten, Einstellungen, Kenntnisse und Wissen aus der Produktion in die Rezeption zu überführen. Somit ist die Methode der erfahrungsverankerten Rezeption gleichermaßen für die Vermittlung historischer wie für zeitgenössischer Kunst geeignet.

Anhand der Unterrichtsskizze zum Selbstporträt unten lässt sich exemplarisch nachvollziehen, wie der Aufbau einer Sequenz gelingt. Nach der eigenen bildnerischen Praxis zum Selbstporträt und ihrer Besprechung im Gremium erfolgt die Rezeption eines Kunstwerkes. Ausgesucht sind Abeiten der Künstlerin Maria Lassnig. Der erste Zugang zum Werk erfolgt über den Referenzpunkt des Selbstporträts. Im Zuge der Besprechung werden darauf aufbauend das Sujet geklärt, Informationen zum Künstler gegeben und interpretative Ansätze erstellt. Weitere Selbstporträts festigen den Sujetbegriff des Stilllebens. In einer abschließenden Präsentation fließen Elemente der Produktion und der Rezeption zusammen.

lassnig rezeption

[Zur ganzen Unterrichtssequenz]

Buchtipp:
Reuter, Oliver M.: Erfahrungsverankerte Rezeption. München 2020